YTC 2014: Eine Lehrstunde für die Südtiroler

ytc2014-siegerSie kamen, spielten und gewannen alles, was es zu gewinnen gab: Die Spieler des AD Scacchi Nettuno Gardolo räumten bei der dritten Auflage der Youth Team Championship groß ab und erteilten dem einheimischen Nachwuchs „en passant“ eine Lektion.

Eins vorneweg: Die Teilnehmerzahlen der diesjährigen „Youth Team Championship“ waren trotz des leichten Rückgangs erneut gut. Zu denken muss allerdings die Tatsache geben, dass sich nur neun Südtiroler Vereine daran beteiligen. Diese meldeten 14 Mannschaften zum Wettbewerb an, die Zahl erhöhte sich kurz vor Turnierbeginn auf 16. Dazu kamen noch zwei eingeladene Mannschaften des Schachclubs AD Scacchi Nettuno Gardolo aus der Provinz Trient.

Vergleiche mit dem Trientner Nachwuchs gab es schon mehrere. Man denke an die Jugend-GP-Turniere in Tramin, bei denen es für die Nachbarn hin und wieder zu Medaillen reichte, oder an die letztjährige Championship an selber Stelle: Da hatten die Spieler von Nettuno ihre Hände schon an der Trohpäe dran, doch die Steinegger hielten sie in einer haarsträubenden Begegnung in Schach.

Doch heuer schlugen die Trientner zurück. Und zwar in einer Weise, die man so nicht erwartet hätte: Sieben Begegnungen, davon sieben Siege und diese alle mit dem höchst möglichen Ergebnis. Das Mädchentrio von Nettuno, welches mit Theodora Panjkovic (unvergessen ihr Auftritt bei der Italienmeisterschaft in Meran, als sie die Herzen des ganzen Kurhauses eroberte) und den Sheik-Schwestern Samia und der stark spielenden Syema (fünf Punkte aus sieben auf Brett 1) holte sich den Sonderpreis in der U12-Wertung. Und Francesco Seresin sicherte sich die Auszeichnung als „Best Player“: Mehr geht nun wirklich nicht…

Und die Südtiroler? Einige ahnten wohl vor dem ersten Zug, dass die man die Trientner auf der Rechnung haben müsse – und zwar ganz oben. Deshalb versuchten die Brunecker die Dienste von Michael Seebacher zu gewinnen. Der spielte aber lieber mit dem Team aus seiner Heimatgemeinde und deshalb so wie im Vorjahr mit Steinegg, allerdings ohne Aussichten, den Titel zu verteidigen. Zum Objekt der Begierde geriet auch Francesco Seresin, seit dem letzten Herbst beim Bozner Club Arci Scacchi im heimischen Spielbetrieb tätig. Ihn wollte Arci zusammen mit Jonas Fox und Martina Brandolese in einem Team wissen, doch sein Stammverein spielte bei diesem Vorhaben nicht mit. Und sie sollten recht behalten.

Kurzfristig mussten sogar einige Teams umgekrempelt werden. Die Meraner „Chess Skalps“ (mit der Bruneckerin Valentina Passler) hätte eigentlich ein reines U12-Mädchenteam sein sollen. Weil aber eine Spielerin über Nacht erkrankte verstärkte Simon Casal das Team, verlor aber den Anspruch auf die U12-Zugehörigkeit. Steinegg „verlieh“ zwei Spieler: je einen an die kurzfristig gebildete Mannschaft von Arci 2 und an den „Meraner Turmsturm“, die dadurch ebenfalls aus der U12-Kategorie ausschied. Am Ende der Veranstaltung staunte der Gastgeber, der wieder für vorzügliche Spielbedingungen sorgte, nicht schlecht, dass Team Nummer 2 mit Felix und Moritz Schgaguler und Egon Lantschner erfolgreicher war als das viel stärker eingestufte Trio mit Michael Seebacher, Sepp Resch und Arnold Lantschner.

Spannung herrschte in jeder Runde. Der Kampf um die Podestplätze hielt bis zur letzten Runde. Nachdem Nettuno (mit Seresin, Samuele Comai, Sheik Mohammed Z. und Gabriele Moser) bereits eine Runde vor Schluss als Sieger feststand, machten sich mit Gröden 1 (zehn Punkte), den Großen Traminer Wudelen, den Brunecker Eis-Läufer und den Meraner Chessfreaks (alle acht Punkte) gleich mehrere Einheiten Hoffnung  um das übrig gebliebene Edelmetall. Die Traminer verpassten es durch eine Niederlage gegen Algund, die Meraner unterlagen den Mädchen von Nettuno, womit die Begegnung zwischen Bruneck und Gröden zum Finale um den zweiten Platz geriet. Die Eis-Läufer (mit Daniel Ringler, Hannes Marcher und Bernd Moling) gewannen zwar, büßten aber einen Brettpunkt ein und konnten so Gröden zwar ein-, aber nicht überholen. David Dejori, Matthias und Nadia Kasslatter sicherten sich so den Titel des Jugendmannschaftsmeisters des Südtiroler Regionalverbandes.

Für die vielen mitgereisten Betreuer war die Championship einmal mehr das Barometer für die zukünftige Jugendarbeit. Stand zwischen den Runden die Suche nach Fehlern und Verbesserungen auf dem Programm,  so sah man mitunter während der laufenden Partien die so genannten Schachexperten Haare raufend durch die Gegend rennen. Auf den Punkt brachte es Manfredi De Polzer, nachdem er tatenlos zuschauen musste, wie einer seiner Schützlinge mit der Mattführung mit zwei Schwerfiguren seine liebe Not hatte: „Jetzt wissen wir, was wir zu tun haben…“

Endstand

 

 

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